Alles nur Kleinkram … oder doch nicht

Vor zwei Wochen war ich zu einer Veranstaltung eingeladen. Und bin mit Freuden hin. Es war ein netter Abend … bis ich wieder nach Hause wollte. Da nämlich war meine Handtasche weg!

Panik machte sich breit: Gestohlen! Und das mir. Wie komme ich jetzt nach Hause?

Dann doch Hoffnung: Vielleicht hat sie ja nur jemand versehentlich woanders hingelegt?

Aber dann doch Verzweiflung: Die Handtasche blieb verschwunden, mit allen Inhalten. Autoschlüssel! Steht eigentlich das Auto noch draußen? Wohnungsschlüssel. Geld. Kredit- und Kontokarten. Ausweis. Sofort die Karten sperren lassen. Und meinen Mann anrufen.

Äh … das Smartphone war auch in der Tasche. Mist.

Nachdem ich mich ein wenig beruhigt hatte (oder vielleicht besser: von mitfühlenden Umstehenden beruhigt wurde), ging alles seinen Weg. Und irgendwer hat mich an dem Abend dankenswerterweise nach Hause gefahren … ich war so geschockt, dass ich mich am nächsten Morgen erst mal nicht erinnern konnte, wer. Jedenfalls: Die Karten wurden gesperrt, ich habe den Diebstahl bei Polizei und Versicherung gemeldet und in den letzten zwei Wochen viel Lauferei gehabt.

Was fehlt eigentlich? Und was bedeutet das?

Das Erschreckendste dabei: Jeder wollte natürlich wissen, was genau gestohlen wurde … aber ich konnte gar nicht sagen, was sich alles in der Handtasche befunden hat. Der übliche Kleinkram eben.

Könntest du auf die Schnelle sagen, was sich alles in deiner Handtasche befindet?

Es stellte sich ziemlich bald heraus, dass sich in meiner Handtasche vieles aus Bequemlichkeit befand, das da nichts zu suchen gehabt hätte. Warum nehme ich alle möglichen Kredit- und EC-Karten mit, wenn ich auf eine Abendveranstaltung gehe, bei der ich eigentlich gar kein Geld brauche? Warum habe ich nicht nur unseren Auto- und Haustürschlüssel am Schlüsselbund, sondern auch den vom Büro und den von der Wohnung meiner Eltern?

Beim Gespräch mit einem freundlichen Polizisten habe ich dann noch mehr gelernt: Ich habe auch Unterlagen dabei gehabt, die für professionelle Diebe sehr leicht auf die Adressen der Wohnungen und des Büros schließen lassen. Umpf! Aber er hat mich dann auch wieder ein wenig getröstet: Oft kann man die Infos auch im Web finden, wenn man nur die Namen der Karteninhaber hat.

Tatsächlicher Schaden ist zum Glück wenig entstanden. Klar, das Bargeld ist weg. Die Konten sind zum Glück unangetastet geblieben. Ärgerlich ist die ganze Lauferei und Telefoniererei, um den Diebstahl überall zu melden und Ersatzkarten und -dokumente zu erhalten. Und uns wurde geraden, alle Schlösser auszutauschen – damit ziehe ich auch meine Mutter und meinen Chef mit rein. Frustrierend, aber verkraftbar.

Erinnerungen

Erst mit der Zeit wurde mir jedoch klar, dass die „wertlosesten“ Dinge es sind, die ich am meisten vermissen würde. Sachen von sentimentalem Wert, die nicht einfach ersetzbar sind und an die ich zunächst gar nicht gedacht habe. Ein paar Fotos in meiner Geldbörse. Der Anhänger an meinem alten Schlüsselbund, der ein Geschenk war. Ein Glücksbringer, der mich immer begleitete. Ein paar Zettel mit Notizen. Usw.

Und auch zwei Wochen später frage ich mich noch, was wohl alles in der Handtasche war, an das ich mich nicht mehr erinnern kann. Oder noch nicht erinnert habe.

Es ist schon eigenartig: Da predige ich ständig, dass alles in der Wohnung seinen Platz haben soll – und kann blind sagen, was sich wo im Schrank befindet – aber meine Handtasche aufzuräumen, auszumisten und funktional zu gestalten habe ich übersehen.

Und noch was kommt hinzu: Es ist nicht nur der leise Zweifel, was ich noch alles übersehen haben könnte – nach so einem Erlebnis fühlt man sich auch unsicher und hilflos. In den ersten Nächten habe ich bei jedem Geräusch draußen gedacht, jetzt käme jemand mit meinen Schlüsseln, um unsere Wohnung auszuräumen. Und wenn ich jetzt unter Leuten bin, habe ich den Impuls, all meine Sachen an mich zu pressen. Wer weiß: Irgendwo in der Menge lauern vermutlich Taschendiebe und Räuber.

Ganz schön verrückt, wie so ein Ereignis das Leben durcheinander bringen kann. Dabei hätte ich auf die Frage danach, was ich in meiner Handtasche habe, immer gesagt: „Ach, der übliche Kleinkram eben.“ Aber irgendwie war es mehr als Kleinkram, es war ein relevanter Teil meines Lebens.

Merke…

Mittlerweile habe ich viele Tipps von Bekannten, Freunden und Experten bekommen. Vielleicht die wichtigsten:

  • Immer nur mitnehmen, was man wirklich benötigt. Sachen nie aus den Augen lassen.
  • Ggf. Wertsachen am Körper tragen (Hosentasche, Gürtel, Hüftgurt …).
  • Kopien bzw. Fotografien von allem machen (insbesondere auch Karten und Ausweisen) und verschlüsselt im Internet speichern – das erleichtert die Sperrung und Wiederbeschaffung.
  • Wenn es schon eine Handtasche (oder ein Rucksack) sein muss: Jede Woche ausmisten, damit sich dort nichts ansammelt.
  • Und: Sicherheit geht vor Bequemlichkeit. Alle Schlüssel an einem Bund aufzubewahren und ständig mitzunehmen, auch wenn man sie nicht ständig braucht, ist ziemlich dumm.

Und schließlich meinte Petra, ich sei jetzt Expertin und könne als nächstes “Die Dinge-Diät für die Handtasche” schreiben… Ehrlich gesagt hätte ich mir diese “Expertise” lieber im Vorfeld erspart.

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