Leserpost: Was hilft gegen ungelesene Bücherstapel?

Melanie schreibt mir:

Hilfe! Ich habe zwar meine Wohnung halbwegs im Griff (sage ich mir zumindest), aber als bekennender Bücherwurm liegen zig Stapel ungelesener Taschenbücher neben dem Bett, neben dem Sofa, im Bad usw. Ich weiß, dass ich eigentlich keine neuen Bücher mehr kaufen sollte, aber das fällt mir ehrlich recht schwer. Noch mehr belasten mich aber die Stapel, die schon rumliegen: Irgendwie kann ich mich nicht von ungelesenen Büchern trennen. Hast du einen Tipp für mich?

Das Problem kenne ich auch. Und auch im Bekanntenkreis ist es weit verbreitet, immer neuen Lesestoff anzuhäufen, ohne die Bücher je zu lesen. Aber weggeben oder gar wegwerfen? Die sind doch noch wie neu und es verbergen sich ganze Welten darin…

Tatsächlich hat das Problem ja drei Ursachen:

  1. Erstens das Kaufen neuer Bücher, obwohl man noch ungelesene zu Hause hat.
  2. Zweitens das Nicht-Lesen der Bücher: Warum liest man die nicht?
  3. Und drittens das Gefühl, ungelesene Bücher nicht weggeben zu können.

Erst mal zu Punkt 2: Ich habe festgestellt, dass ich einerseits zu wenig Zeit zum Lesen eingeplant hatte, aber andererseits auch viele Bücher hatte, die ich mal angelesen hatte, dann aber nicht weiter kam. Also auf den Stapel: demnächst!

Mittlerweile habe ich mein Leseverhalten geändert: Ich reserviere mir regelmäßig Zeit zum Lesen. Das kann auch täglich ein halbe Stunde vor dem Aufstehen sein. Oder sonntagsmittags zwei Stunden. Was auch immer passt und angemessen erscheint – aber regelmäßig sollte es sein. Das hilft mir, wirklich ein bestimmtes Lesepensum zu schaffen.

Aber da ist noch was: Ich habe lange gedacht, ich muss die Bücher zu Ende lesen. Irgendwie so, wie man erzogen wurde, seinen Teller leer zu essen. Wenn mir ein Buch nicht gefiel, dann habe ich versucht, mich durchzuquälen. Und es irgendwann beiseite gelegt. Die Schuld habe ich bei mir gesucht, schließlich hatte das Buch doch gute Bewertungen, jemand hatte es empfohlen oder ein anderes Buch des Autors war ja toll.

Heute weiß ich: Ich muss Bücher nicht lesen. Schon gar nicht muss ich mich durchquälen. Jetzt gebe ich einem Buch 30 bis 50 Seiten. Wenn es mich dann nicht gepackt hat, blättere ich vielleicht nochmal durch oder versuche es noch einmal an einem anderen Tag – aber danach kommt es weg. Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, weil mir eine Story nicht gefällt oder ich nichts mit ihr anfangen kann. Lesen soll Spaß machen, nicht zur Qual werden.

Und diese Erkenntnis hilft dann auch bei Punkt 3: Gerade, wenn ich nichts (mehr) mit einem Buch anfangen kann, gibt es vielleicht jemand anderen, der sich darüber freuen würde. Bei uns ist es so, dass wir im Freundeskreis Bücher tauschen und verschenken, aber ich habe auch meiner Arbeitskollegin schon welche gegeben und einiges habe ich beim Ausmisten auch in einen öffentlichen Bücherschrank gestellt, den es bei uns gibt. Dort kann sich jeder etwas nehmen, aber auch etwas hinbringen zum Wohl der Gemeinschaft. Bücher müssen also nicht im Müll landen – das wäre wirklich schade.

Bleibt Punkt 1: Ich hatte immer das Gefühl, ich müsse mir neue Bücher kaufen, weil ich eine (vollkommen irrationale) Angst hatte, mir könne irgendwann der Lesestoff ausgehen. Mittlerweile kaufe ich allerdings kaum noch Bücher, schon gar keine Taschenbücher mehr. Ich habe ein Skoobe-Abo für 10 Euro im Monat und zusätzlich meinen Kindle: Da habe ich so viel Lesestoff zur Auswahl, dass mir nie langweilig wird. Auch in der Leihbücherei kann man mittlerweile E-Books ausleihen … einfach mal nachfragen!

Das beste an dem elektronischen Lesestoff: Er verstellt keinen Platz und man kann ihn im Smartphone oder Tablet) ständig dabei haben. Egal ob ein Titel oder 5000: Das Gewicht bleibt gleich. Für mich haben sich allein dadurch die Bücherstapel in meiner Wohnung deutlich reduzieren lassen.

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