So geht’s: Dinge-Diät und (Ehe-)Männer vereinen

Ich habe in letzter Zeit mehrere “Frag Inge“-Zuschriften zum Thema “Mann” bekommen. Also nicht zu meinem, sondern zum Thema “Dinge-Diät und Männer”. Dabei ging es immer wieder um das gleiche Szenario:

Ich würde gerne meinen Ehemann für die Dinge-Diät begeistern. Er ist nicht unbedingt immer der Ordentlichste und manchmal würde ich mir wünschen, dass er das erkennt und mich mehr in meiner Bemühung unterstützt, den Haushalt in Ordnung halten. Es ist nicht so, dass er unsere Dinge-Diät ablehnen würde, aber irgendwie bleibt alles an mir hängen. Was kann ich tun?

Meine Erfahrung ist, dass Männer eher “keinen Aufwand damit” haben wollen. Das heißt nicht unbedingt, dass sie generell nichts loslassen wollen oder Ordnung nicht zu schätzen wüssten. Aber es soll keine Arbeit machen.

Mein Deal mit meinem Mann bzgl. Dinge-Diät

Mit meinem Mann habe ich einen Deal (auf Gegenseitigkeit, aber ich mache viel häufiger Gebrauch davon als er):

Wenn mir etwas auffällt, das ihm “gehört”, das aber eigentlich weg könnte, dann nehme ich es weg, werfe es aber nicht gleich weg. Stattdessen kommt es in eine Ecke (meist eine Kiste im Keller) und ich notiere das Datum. Sucht er das Teil in den kommenden Wochen, dann sprechen wir darüber und ich gebe es zurück (bzw. er nimmt es sich wieder, er kennt “meine” Rumpelkiste). Ziehen etliche Wochen ins Land und er hat es nicht vermisst, dann spreche ich ihn darauf an, dass ich das jetzt schon zwei, drei Monate beiseite geräumt habe und wir es eigentlich doch loswerden könnten.

Am Anfang hat er geschummelt (hat er auch zugegeben) und alle 14 Tage in die “Rumpelkiste” geschaut, was ich ihm wohl wieder “geklaut” habe. Aber mittlerweile vertraut er mir und meist gibt er mir dann auch recht. (Und ich gebe nach, wenn er gute Gründe hat, die Sachen doch zu behalten.)

Wir fahren mit diesem Deal ziemlich gut. Ich muss mich nicht aufregen, dass er mal wieder von sich aus nicht erkannt hat, was zu tun wäre. Und er kann sich darauf verlassen, dass ich nicht versuche, ihn reinzulegen oder irgendwas in seine scheinbare Gleichgültigkeit hineinzuinterpretieren. Denn wir haben so festgestellt: Er hat da einfach nicht so den Blick für die Problembereiche und meist auch nicht den Drive, Sachen von sich aus wegzuwerfen.

Wenn ich sagen würde “Sortier mal deine T-Shirts aus”, dann käme daher vermutlich nur ein: “Jaja, demnächst.” Wenn ich aber auf der Basis unseres Deals die verwaschensten, speckigsten und ältesten T-Shirts zur Seite lege, dann kommt ein paar Wochen später (er muss sehen, dass er sie wochenlang nicht vermisst hat): “Okay, du hast recht. Die vier können wirklich weg, aber das eine würde ich trotzdem gerne behalten”. Und wir sind beide zufrieden.

Ich habe ihn kürzlich gefragt, wie es ihm mit der Variante wirklich geht. Seine Antwort fand ich interessant: Er sieht meine eingesammelten Sachen als “begründete Vorschläge”, die zwei Vorteile für ihn hätten. Erstens müsse er sich dann nicht selbst Gedanken machen. Und zweitens wäre ich dann mit der Auswahl auch zufrieden. Er ist eben ein fauler Opportunist 😉 Aber er hat schon ein wenig recht: Er meint nämlich, wenn ich ihn auffordern würde, von sich aus auszumisten, hätte ich meist irgendwas im Kopf, an das er gar nicht denken würde. Er könne dann stundenlang Keller und Werkstatt aufräumen, weil ihm das dringend geboten schien, und ich würde das gar nicht wahrnehmen und goutieren. Und dann hätte es früher (angeblich, das ist nur eine Unterstellung 😉  ) nach ein paar Tagen von mir geheißen: “Ich habe dich doch schon x Mal gebeten, deine Klamotten auszumisten. Jetzt mach mal endlich.” Unterschiedlicher Fokus … da mag er nicht so falsch liegen.

Simple Lösung für die liebe Not mit der Ordnung

Der zweite Aspekt ist das Aufräumen. Da haben zwei Methoden sehr geholfen: Alles hat “seinen” Platz (das war früher nicht der Fall und es hat auch einige Zeit gedauert, das zu etablieren) und die “Ausgangskörbe”. In die kommt alles, was sich am Ende eines Tages in einem Zimmer angesammelt hat, aber dort, wo es lag, nicht hingehört. Am Anfang blieb das Sortieren der Sachen aus den Körben meist an mir hängen, aber mittlerweile legt mein Mann selbst Sachen in die Körbe und sortiert sie von dort auch wieder an den richtigen Platz, wenn es ihn betrifft. Und wenn jetzt mal wieder Kabel rumliegen oder das Schachspiel vom Abend zuvor mit seinem Freund auf dem Wohnzimmertisch steht, dann lege ich die kommentarlos in den jeweiligen Korb und er kümmert sich ebenso kommentarlos drum. Früher war das ein Krampf: “Statt mir hier eine Standpauke zu halten, hättest du längst selbst die Sachen wegräumen können.”

Wichtig ist für die Akzeptanz sicher auch, dass wir das auf Gegenseitigkeit machen und dass wir beide sehen, wie angenehm es ist, wenn man quasi jeden Abend wieder die Wohnung mit ein paar Handgriffen in einen Grundzustand der Ordnung zurückversetzen kann. Wenn man den Schlendrian aber einmal einreißen lässt, dann türmt sich immer mehr auf und irgendwann ist das Chaos zurück.

Männer sind anders … erzogen

Es ist übrigens nicht so, dass Männer das Chaos gar nicht sehen und als solches wahrnehmen – das ist ein Mythos. Aber sie gehen anders damit um. Da spielt auch das alte Rollenverständnis mit hinein: Der Mann geht arbeiten, für Küche und Haushalt ist die Frau zuständig. Selbst, wenn das heute nicht mehr so gilt, sind doch viele in diesem Weltbild aufgewachsen. Und irgendwie prägt das dann doch.

Als ich mit meinem Mann über das Thema gesprochen habe, sind mir zwei Punkte aufgefallen:

  1. Er hat nie durch seine Eltern oder die Schule gelernt, einen Haushalt in Ordnung zu halten. Alles zu diesem Themenbereich musste er sich selbst aneignen. Klar, dass dann der Fokus ein anderer ist.
  2. Er hat von seiner Mutter (hallo, Schwiegermama!) immer wieder vermittelt bekommen, das könne er ja eh nicht. Solange er zuhause wohnte, hat natürlich seine Mutter alles gemacht. Und auch sein Zimmer aufgeräumt. Eine Story, die mir zu denken gab: Er hat erzählt, dass seine Eltern zu Besuch kamen, als er studierte und endlich eine eigene Bude hatte. Natürlich hatte er versucht, vorher aufzuräumen. Aber seine Mutter rückte mit Meister Proper und Scheuerschwamm an und begann, seine Bude mit den Worten zu schrubben: “Lass mich mal machen, du kannst das sowieso nicht.”

Und mal ganz ehrlich: Welche Eltern vermitteln ihren Kindern denn heute die benötigten Fähigkeiten, um Ordnung zu halten und einen Haushalt zu führen?

Auch in der Schule lernt man dazu ziemlich wenig. Dabei ist es in den letzten vierzig Jahren immer herausfordernder geworden, sich in unserer Konsum- und Überflussgesellschaft zu behaupten. Es gibt immer mehr Kram, der sich in unsere Wohnungen verirrt. Es gibt immer mehr Pseudo-Lösungen, die versprechen, dass man alles auf kleinstem Raum unterbringen kann. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Man sollte jedenfalls ein wenig Verständnis haben, wenn der eigene Mann jetzt nicht gerade der glühendste Verfechter und Unterstützer bei der Dinge-Diät ist. Miteinander sprechen kann oft sehr nützlich sein. Und dann gemeinsam einen Prozess finden, bei dem man nicht gegeneinander agiert, sondern, wie bei uns, miteinander. Ein wenig gegenseitiges Verständnis wirkt da Wunder.

An meinem Mann sehe ich auch: Mit der Zeit hat sich sein Zugang verändert. Er kommt immer häufiger von sich auf die Idee, beispielsweise Klamotten oder Kabel auszumisten. Bei den meisten Sachen im Haushalt überlässt er die Initiative noch immer mir, unterstützt mich aber, wenn ich entsprechende Wünsche äußere oder Ausmist- und Umräumaktionen vorschlage. Das hat zugegebenermaßen ein wenig gebraucht, was aber im Grunde bei seiner Erziehung nicht verwunderlich ist.

Wie seht ihr das? Wenn ihr einen Mann zuhause habt: Unterstützt er euch? Mistet er von selbst aus? Braucht er Unterstützung? Oder verweigert er sich? Und an die Männer: Wie ist es bei euch? Habt ihr ähnliche Erfahrungen in eurer Erziehung gemacht?
Schreibt mir eure Erfahrungen!

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