Dinge-Diät: Balance halten statt Minimalismus

Ich habe mal wieder Post bekommen. Na ja, genauer gesagt hat Sabina das Frag Inge!-Formular genutzt und schreibt:

Hallo Inge,

wie stehst du eigentlich zu Minimalismus? Oder anders gefragt: Wie unterscheidet sich eure Dinge-Diät von Minimalismus? (Sorry, ich habe deine Bücher [noch] nicht ganz gelesen, sondern mir gerade erst die Dinge-Diät gekauft.)

LG Sabina

Hallo Sabina. Die Bücher zur Dinge-Diät zu lesen lege ich dir natürlich ganz dringend ans Herz 🙂 Aber zu deiner Frage:  Die Dinge-Diät sehe ich als “Rightsizing” – oder auch die Suche nach der eigenen Wohlfühl-Balance.

Viele meiner Bekannten und Kollegen würden wahrscheinlich gar nicht bemerken, dass ich mich der Dinge-Diät verschrieben habe, wenn ich nicht darüber erzähle: Ich laufe nicht in Sack und Asche rum, ich verzichte nicht auf Sachen, die mir Spaß machen und mir wirklich wichtig sind, ich bin kein Konsumverweigerer. Ich habe nur gelernt, manchmal zu mir selbst “Nein” zu sagen, mich von Dingen zu befreien, die eigentlich immer nur belastend waren, und meinen Fokus mehr auf Erleben denn Besitz verlagert. Wenn ich mir etwas leiste, dann, um es zu nutzen, nicht, um es in einem Schrank abzulegen und für später aufzuheben.

Ich habe den Eindruck, dass viele Minimalismus-Anhänger hingegen das Ziel darin sehen, ihren Besitz so weit wie möglich zu reduzieren. Als Maß dient vor allem die Zahl der Besitztümer: Je weniger, desto besser. Zwei T-Shirts und eine Hose reichen (aber vermutlich nicht für eine berufstätige Frau), auf alles, was nicht höchst funktional ist, kann man verzichten, was dem Hobby dient, ist nur Ballast und wenn man ein paar Erinnerungsstücke hat, kann man die auch abfotografieren und digital im Notebook speichern.

Damit ist Minimalismus für mich eher das Streben nach einem Extrem, während die Dinge-Diät einen Mittelweg sucht, nämlich die Wohlfühl-Balance. Bei der Dinge-Diät darf ich mir alles gönnen, was ich will. Ich versuche nur, mir selbst Stress und Frust zu ersparen und frage mich daher oft, ob das jetzt wirklich für mich wichtig ist. Aber es gibt immer einen Grund für den Verzicht – und das ist nicht der Verzicht an sich. Also weg mit überflüssigem Kram, weil er überflüssig ist und mich nervt, nicht weil ich noch 504 Sachen habe und jetzt auf 499 kommen kann. Und dann eben auch kein selbst auferlegter Konsumverzicht, sondern eine Balance zwischen dem, was neu rein kommt, und dem, was ich entsorgen. So kaufe ich mir in der Regel nur dann neue Klamotten, wenn ich vorher entsprechend viele ausgemistet habe.

Bitte nicht falsch verstehen: Jeder soll den Weg wählen, mit dem er glücklich wird. Mir kommt es ein wenig vor wie Prinzipienreiterei, meinen Besitz krampfhaft auf 1000, 500 oder gar 100 Teile zu beschränken. Ich kann aber verstehen, wenn sich jemand so eine Zeitlang mobiler, flexibler und freier fühlt. Aber mir geben manche Dinge auch einfach Sicherheit. Oder ein gutes Gefühl. Die will ich dann gar nicht loswerden, auch wenn es die Dinge Nummer 1123, 1124 und 1125 sind.

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