Ineffizienz: Wenn Altes alt wird und Neues vielleicht modern, aber nicht immer nützlich ist

cold photoIch habe ja schon berichtet, dass unsere alte Kühl-Gefrier-Kombi in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist. Das bedeutete zweierlei: Das alte Gerät musste ausgemistet werden und wir mussten uns nach Ersatz umschauen.

Das mit dem Ersatz war sehr lehrreich! Petra hat mir gleich geraten, unbedingt die Funktionen umzustellen: Kühlschrank oben, TK unten. Bislang hatten wir das genau umgekehrt. Zum Glück sind die meisten Kombis eh wie Petras Empfehlung aufgebaut. Und das hat echte Vorteile: Keine Kniebeugen mehr vor dem Kühlschrank, sondern alles in Augen- und Griffhöhe. So etwas schätzt man erst dann, wenn man es erlebt – und dann fragt man sich, wie man bislang so ineffizient unterwegs sein konnte. Das hat sich auch gezeigt, als ich die alte Kombi ausgeräumt habe: In irgendwelchen hinteren Winkeln kamen Soßen und Gläschen und Fläschchen zum Vorschein, die längst in Vergessenheit geraten waren. Aus den Augen, aus dem Sinn – und auch ein schönes Beispiel für die Ineffizienz des alten Gerätes.

Aber bedeutet das jetzt, dass jede Innovation gut, nützlich und effizienzsteigernd ist? Keineswegs. Die Verkäufer wollten uns Geräte verkaufen mit allem möglichen Schnickschnack: Wasserspender, Eiswürfelbereiter, digitale Anzeigen – selbst ein Internetanschluss ist heute neben dem Wasseranschluss eine Option beim Kühlschrankkauf. Aber wir haben nicht vor, unseren Kühlschrank für uns einkaufen zu lassen. Und ein Wasser- und Eiswürfelspender ist nice to have, aber nicht, wenn wir dafür umbauen müssen. Und dann das Thema Energieeffizienz: Darf es A+, A++ oder A+++ sein? Fragt man dann dreimal nach, dann stellt sich heraus, dass der Aufpreis sich teilweise erst in zehn und mehr Jahren amortisieren würde. Klar: Energiesparen ist immer gut, aber nicht auf das letzte Kilowatt, wenn das den Preis extrem in die Höhe treibt.

Überhaupt habe ich das Gefühl, dass viele Features nur deswegen mit tollen Namen versehen werden, um uns ein schlechtes Gewissen einzureden (“Der hat jetzt ein Green-EcoPlus-Label … nein, insgesamt verbraucht er etwas mehr als der andere, aber gerechnet auf den Nutzraum und die Funktionen ist er natürlich trotzdem wesentlich sparsamer.”) oder unser Luxus-“Wir gönnen uns ja sonst nichts”-Gen anzusprechen (“Bei dem haben Sie acht individuell regulierbare Klimazonen. Da können Sie den Fisch bei der idealen Temperatur lagern und im Bereich darunter Salat und Gemüse aufbewahren. Und durch die NoSmell-Funktion riecht der Salat auch nicht nach Fisch und der Fisch nicht nach Salat. Und dann hält sich das ja auch alles viel länger mit den richtigen Klimazonen.”). Ehrlich: Ich habe keine Ahnung von Klimazonen, aber auch mit NoSmell rieche ich den Braten, wenn ein Verkäufer mich als Opfer für seine überteuerten Ladenhüter betrachtet.

Effizienz hin, Ineffizienz her: Geräte und Dinge müssen die Funktionen erfüllen, die man im Alltag benötigt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. In zehn, fünfzehn Jahren verändert sich sogar bei Kühlschränken etliches zum Vorteil, aber nicht alles, was einem als Vorteil verkauft wird, ist auch einer. Und ganz sicher ist es nicht sinnvoll, Geld für Dinge und Funktionen auszugeben, die man gar nicht benötigt. Aber: Es ist auch nicht sinnvoll, Dinge zu behalten, die sich funktional längst überlebt haben. Sie würden ja heute auch nicht mit einer 10 Jahre alten Digitalkamera die Urlaubsfotos in Ihrem Traumurlaub machen wollen.

(Und jetzt bitte alle Daumen drücken, dass unser neues Gerät mindestens so lange treue Dienste leistet wie unser alter Liebherr.)

Hat dir der Beitrag gefallen?
Wenn du meinen Newsletter abonnierst, erhältst du regelmäßig neue Tipps für deine eigene Dinge- und Task-Diät:

Ich stimme gemäß DSGVO der Übertragung meiner Anmeldedaten an MailChimp.com zur Newsletter-Verwaltung zu.