Von Perfektion, Systemen und Lebensqualität

Wir streben immer wieder nach Perfektion in unserem Tun. Zumindest tun wir so. Denn eigentlich suchen wir nur nach vorgefertigten Systemen, die wir übernehmen können. Und natürlich soll dieses System dann eben “perfekt” sein.

So sind die Zeitschriften voll mit der “perfekten Diät”: 10 Pfund in 10 Tagen, ganz ohne Anstrengung und Reue, einfach die Rezepte übernehmen. Oder wie wäre es mit dem perfekten Fitness-System? Gibt es z.B. im Homeshopping-Kanal, und als besonderen Bonus: zwei zum Preis von einem. Oder das perfekte System, um eine Fremdsprache zu lernen. Das perfekte System, um die eigenen Finanzen zu ordnen.

Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Natürlich erweisen sich fast alle diese “perfekten Systeme” als doch nicht so perfekt. Oder für uns ungeeignet. Oder einfach als billige Lockangebote für Ramsch. Aber das ist gut so, denn dann sind wir ja aus der Verantwortung: Nicht mein Diät-, Fitness-, Lern- oder Finanzverhalten ist schuld, sondern das System war nicht perfekt. Also weitersuchen. Und auf das nächste “perfekte” System hoffen. Irgendwer muss ja das “Geheimnis” hinter dem Erfolg mal finden und mit uns teilen!

Aber dabei vergessen wir gerne, dass der Erfolg in all diesen Bereichen etwas Individuelles ist. Was für die Freundin, den Nachbarn, den Arbeitskollegen oder das Starlet vielleicht wirklich funktioniert haben mag, muss für uns nicht funktionieren. Wir müssen unseren eigenen Weg finden.

Doch dabei ist uns der Wunsch nach Perfektion (und damit verbunden nach mühelosem Erreichen eines Maximums) ständig im Weg. 

Vielleicht sollten wir daher viel häufiger nicht nach Perfektion streben, sondern einfach nach einer schrittweisen Verbesserung des Status quo. Denn das ist viel einfacher: Jeder kann seine Ernährung ein wenig verändern und so ein wenig abnehmen, vor allem, wenn man es mit ein wenig mehr Bewegung kombiniert. Klar: Das sind dann nicht 10 Pfund in 10 Tagen, sondern vielleicht 2 in einer Woche. Aber es ist immerhin ein Anfang. Und dann heißt es, regelmäßig am Ball zu bleiben. So entwickelt sich von selbst das individuelle, passende Verhalten. Vor allem, wenn man sich erlaubt, mit diesen graduellen Verbesserungen zufrieden zu sein und sie als Erfolge zu feiern.

Warum ich auf das Thema komme? Vor kurzem habe ich eine Anfrage bekommen, die eine lange Latte an Fragen zur Dinge-Diät enthielt. Unter anderem:

  • Wie viele Teller sind für eine vierköpfige Familie denn Ihrer Erfahrung nach ausreichend?
  • Wie oft muss ich den Kleiderschrank (auch den im Kinderzimmer) denn bei Ihrer Methode ausmisten?
  • Ich habe seit vielen Jahren eine Minitatur-Teddybären-Sammlung, die ich in einer Vitrine untergebracht habe. Soll ich mich jetzt davon trennen? Mein Mann sieht darin nur “Staubfänger”.

Mein Problem mit solchen Fragen ist immer, dass da jemand auf der Suche nach dem “perfekten System” ist. Aber was für mich (oder Karla, Moni, Petra und Vera) passt, muss nicht für die Fragestellerin passen. Und wir haben unseren Status quo auch nicht von heute auf morgen erreicht, sondern schrittweise immer weiter optimiert. Ich habe mich in den letzten 12 Monaten von etlichen Dingen getrennt, die ich vor eineinhalb oder zwei Jahren noch für unverzichtbar hielt. Und manchmal kaufe ich auch etwas, von dem ich noch vor kurzem dachte: “So was kommt uns nie ins Haus.” Und muss zugeben, dass es eine Bereicherung für unsere Lebensqualität darstellt.

Es geht also nicht um Perfektion und um das Kopieren von Systemen, sondern um graduelle, aber kontinuierliche und nachhaltige Schritte hin zu mehr Lebensqualität. Wenn die Unordnung im Schrank stört, die Teddys wichtigen Raum (oder Freiraum) verstellen und die Teller zur Qual werden, dann ist Handeln geboten. Ansonsten gibt es vielleicht wichtigere Bereiche, in denen man mit wenig Aufwand eine Verbesserung erreichen kann.

Also: Vergessen wir den Wunsch nach Perfektion. Freuen wir uns stattdessen an jedem kleinen Schritt zu mehr Lebensqualität. Das hat auch den Vorteil, dass es stetig nur besser wird. Denn wir wissen alle, was in den Wochen und Monaten nach der “10 Pfund in 10 Tagen”-Diät passiert…

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