So entkommen Sie der Belohnungsfalle

pokal photoEs gibt eine enge Wechselwirkung zwischen Motivation und Belohnung: Wenn wir nicht besonders motiviert sind, an einer (unvermeidbaren) Aufgabe zu arbeiten, dann hilft eine in Aussicht gestellte Belohnung, unsere Motivation zu steigern. Aber dabei besteht die Gefahr, in eine “Belohnungsfalle” zu geraten.

Ich merke das immer wieder an mir selbst: Gibt es keine in Aussicht gestellte Belohnung, dann schleppe ich mich manchmal durch den Tag, um mich dann am Ende selbst irgendwie zu belohnen. Viele Dinge in meinen Schubladen und Schränken, die im Rahmen der Dinge-Diät unser Haus verlassen mussten, besaß ich nur, weil sie im Moment des Kaufs eine Art Belohnung für mich waren.

Belohnungen können ganz unterschiedlich aussehen:

  • Es kann ein Glas Wein sein, das Sie sich am Abend gönnen. Kein Problem, solange das nicht zur Gewohnheit wird.
  • Es kann eine neue Tasche, ein extravagantes Kleid oder ein Gadget sein, das Sie sich gönnen, gerade weil Sie es sich “normalerweise” nicht kaufen würden. Die Belohnung muss ja etwas Besonderes sein, sonst wäre es ja keine Belohnung, sondern Alltag. Aber gerade die Dinge, die sich so ansammeln, landen ganz schnell ungenutzt im Schrank. Sie wieder loswerden ist aber auch schwer … schließlich war es eine Belohnung!
  • Die Belohnung kann aber auch ein Bonus sein, den Ihr Chef ausgelobt hat, wenn bestimmte Ziele erreicht werden. Aber Geld ist für die meisten keine befriedigende Belohnung, man kann ja nichts damit machen. Daher neigen wir dazu, solche unerwarteten Reichtümer schnell wieder in (meist unnötigen) Besitz umzuwandeln.

In allen Fällen wird die Belohnung zum eigentlichen Ziel, ja, zur Entlohnung für erlittene Mühen. Früher habe ich mir manchmal nach der Arbeit einfach irgendetwas gegönnt als Trost, weil der Tag mal wieder furchtbar anstrengend war und niemand meine Bemühungen überhaupt wahrgenommen hatte.

Wir sind so auf dieses Motivations-Belohnungs-Muster geeicht, dass wir uns oft sogar etwas Essentielles versagen, um uns später damit zu „belohnen“:

  • Statt während einer anstrengenden und ermüdenden Tätigkeit eine Pause einzulegen und neue Kraft zu schöpfen, habe ich mich durchgebissen und mir suggeriert, dass ich mir danach eine Pause gönnen.
  • Manchmal habe ich zusammen mit einer Kollegin auf das Mittagessen verzichtet, weil wir im Stress waren und noch irgendwas fertigmachen wollten. Und „gegönnt“ haben wir uns anschließend zur Belohnung ein Burger-Menü oder zwei Stück Kuchen, auch wenn wir wussten, dass uns diese “Belohnung” nicht wirklich gut tut.
  • Meine Mutter hat sich monatelang mit ihrem alten Staubsauger rumgeärgert, obwohl die Saugkraft immer weiter nachließ und er zu stinken begann. Sie hätte sich einen neuen Staubsauger erst gegönnt, wenn wenn der alte “so richtig” versagt hätte. Schließlich haben wir ihr einen neuen geschenkt.
  • Und ich vermute mal, dass Sie, wenn Sie mittags einen akuten Müdigkeitsanfall haben, sich dann kein Nickerchen gönnen, sondern sich durch den Nachmittag kämpfen mit dem Ziel, einfach am Abend früher schlafen zu gehen. Zumindest machen das die meisten so.

An der Stelle wird es problematisch. Wir missachten nämlich so nicht nur unsere akuten Bedürfnisse, sondern sorgen zudem dafür, dass das Umfeld nicht optimal ist und damit leidet unsere Arbeit und Produktivität. Belohnung sollte daher nicht am Ende eines Prozesses stehen, sondern Teil unserer Selbstachtung und unserer Motivations- und Leistungsprozesse sein.

Je weiter wir nämlich die Belohnung nach hinten stellen, umso unbändiger wird unser Unterbewusstsein darauf drängen, eine “richtige”, große Belohnung zu bekommen. Es fühlt sich vernachlässigt und wir öffnen damit dem Autopiloten Tür und Tor, der dann irgendetwas Unnützes als Belohnung verlangt. Und dann wundern wir uns eine Woche später, was uns nur geritten hat, uns mit so etwas zu belohnen.

Deshalb ist es wichtig, laufend darauf zu achten, dass wir unsere wahren Bedürfnisse nicht zurückstellen. Nehmen Sie sich eine Pause, wenn Sie merken, dass Sie ausgelaugt sind … und dann machen Sie sich danach mit neuer Energie wieder an die Arbeit. Verzichten Sie nicht “aus Effizienzgründen” auf eine Mahlzeit … sonst werden Sie später eventuell Opfer einer Heißhungerattacke. Kaufen Sie sich einen neuen Staubsauger (oder einen neuen Computer, ein neues Handy, ein neues Kissen) dann, wenn Sie das alte nervt und die Neuanschaffung Ihr Leben verbessert (aber trennen Sie sich dann konsequent von den alten Mistdingern). Gönnen Sie sich ein Nickerchen, wenn Ihr Körper es braucht, nicht wenn es zeitlich “passt”.

Dabei geht es um Selbstachtung und Lebensqualität: Wenn Sie die Belohnung nicht als “Entschädigung” betrachten, sondern als eine Form der Unterstützung, dann wird sie zum Teil des Prozesses und steht nicht mehr an seinem Ende. Und dann kann diese Unterstützung, gerade, wenn Sie sie sich diese zur richtigen Zeit gönnen, sowohl Ihre Motivation als auch Ihre Produktivität steigern. Und Sie vermeiden, in eine “Belohnungsfalle” zu geraten, bei der nur noch der Moment der Belohnung zählt, aber die langfristigen Folgen der Belohnung unberücksichtigt bleiben.

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